Menschenaffen: eine unvergessliche Begegnung

Wohin geht unsere Reise heute? Ich möchte mit dir einen Ausflug nach Afrika machen. Genauer: nach Uganda. Begleiten lassen wir uns dabei von Marco Stahl. In einem Interview für emotures verrät uns Marco etwas über das ostafrikanische Land, den dort frei lebenden Menschenaffen und das eine oder andere Detail aus dem „Nähkästchen“.

Einer der letzten freilebenden BerggorilasLieber Marco, bevor wir starten, wäre es schön, wenn meine Leser dich besser kennen lernen. Was hast du denn mit Uganda zu tun?

Zusammen mit meinem Kollegen Sascha Fröhlich habe ich 2010 den Reiseveranstalter 1001 Reise gegründet. Wir bieten Individual- und Kleingruppenreisen in ausgewählte Länder Afrikas, Asiens und des Orients an. Seit der Saison 2011/2012 haben wir eine Kooperation mit einem ugandischen Safariunternehmen. Unter dem Namen Habari Travel organisieren wir nun gemeinsam individuelle Safaris und Gruppenreisen durch Uganda und Tansania, natürlich immer auch mit einem Besuch bei den letzten frei lebenden Berggorillas.

Ihr macht also etwas möglich, wovon viele Menschen träumen: eine Begegnung mit Menschenaffen. Das hört sich sehr spannend an. Wenn du von den letzten, frei lebenden Berggorillas sprichst, frage ich mich, ob wir Menschen dort nicht stören. Wie werden die Tiere geschützt und mit wem arbeitet ihr vor Ort zusammen?

Vor einigen Jahren waren die Berggorillas nahezu ausgestorben, weil sie für die Menschen in der Region kaum einen Wert hatten. Durch Wilderei und die drastische Verkleinerung ihres Lebensraumes sanken die Bestände rapide. Inzwischen weiß die Bevölkerung, dass sie ein gesichertes Einkommen hat, solange die Gorillas leben und von Touristen besucht werden. Also werden sie entsprechend geschützt. Es gibt einige Gorilla-Gruppen, die an Menschen gewöhnt sind und nur diese dürfen besucht werden.

Die Tiere leben frei und sind nicht eingezäunt oder ähnliches. Sie haben sich daran gewöhnt, dass einmal am Tag eine Gruppe von maximal 8 Touristen plus Begleiter für eine Stunde auftaucht und auch wieder geht. Sie wissen, dass von den Menschen keine Gefahr ausgeht und bewegen sich daher auch ganz normal. Die Tiere werden geschützt, in dem der Aufenthalt auf eine Stunde begrenzt ist und man klare Regeln befolgen muss, zum Beispiel muss man als Besucher gesund sein, um die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden. Durch diese Anstrengungen hat die Zahl der Gorillas in den letzten Jahren wieder zugenommen. Die Ausgabe der Gorilla Permits, also der Erlaubnis für das Tracking, liegt in den Händen der ugandischen Wildlife Behörde.

Um unsere Gäste kümmern sich im Land meine ugandischen Kollegen, die seit fast 20 Jahren Safaris in Uganda organisieren und einige tolle Safaricamps und Lodges besitzen bzw. leiten, darunter auch das berühmte Travellers Rest Hotel in Kisoro, das bereits seit mehr als 50 Jahren besteht und viele Gorilla-Forscher beherbergt hat. Darunter auch Dian Fossey, die durch den Film ‚Gorillas im Nebel‘ berühmt wurde.

Wow! Da hat sich die Arbeit der Schützer ja richtig gelohnt. Deinen Erzählungen nach trifft man die Gorillas also nicht zufällig?

Nein, sie leben tief im Busch. Die Begegnung mit den Gorillas muss man sich außerdem hart erarbeiten. Der Bwindi Nationalpark ist eine bergige Region. Man wandert auf Trampelpfaden durch den Regenwald, klettert über umgestürzte Bäume, überquert kleine Flüsse, watet durch Sumpfland und schlägt sich mit Macheten durchs Dickicht. Die ganze Mühe ist aber vergessen, sobald man vor den Gorillas steht.

Die Besucher halten immer einen Sicherheitsabstand ein, dürfen aber nicht flüchten, wenn die Gorillas auf sie zukommen. So kommt es dann zu so einmaligen Erlebnissen, wie in meiner Gruppe: Ein kleiner Gorilla hat neugierig unsere Schnürsenkel geöffnet. Danach umklammerte er die Beine einer Mitreisenden. Sehr bewegend! Als der Silberrücken, also das größte Männchen der Gruppe, etwa drei Meter an mir vorbei lief, kam ich mir trotz meiner fast 1,90 m wirklich klein vor. Unbeschreiblich!

Das war sicherlich ein aufregender Moment. Hattest du die Gelegenheit, Fotos von der Begegnung mit den Gorillas zu machen?

Klar habe ich Fotos gemacht! Ist im dichten Busch aber nicht leicht, dementsprechend schlecht sind meine Fotos auch. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich einfach drauflos geknipst habe. Der Aufenthalt bei den Gorillas ist auf eine Stunde begrenzt. Daher raten wir Kunden immer, Fotos zu schießen, dann die Kamera wegzulegen und den Moment zu genießen. Eine Stunde kann wirklich kurz sein. Von meiner Reise zu den Gorillas gibt es auf youtube ein Video: Gorilla Trekking im Bwindi Nationalpark

Als Dankeschön für das einmalige Erlebnis bei den Gorillas hat eine Kundin euch ein Fotobuch ihrer Uganda-Reise geschenkt. Das finde ich natürlich eine wundervolle Art, Danke zu sagen. Ist sie eine Profifotografin oder hat sie speziell eine Fotoreise bei euch gebucht?

Profifotografin ist sie nicht. Unsere Kundin hat einfach aus den schönsten Fotos ein Fotobuch gestaltet und es ist klasse. Besonders beeindruckt hat uns, dass sie nicht nur Gorillas, Löwen, Giraffen, Nashörner, Elefanten usw. aufgenommen hat, sondern eine Doppelseite zum Beispiel den vielen unterschiedlichen Schmetterlingsarten gewidmet war. Daran sieht man, wie vielfältig Uganda ist und dass es nicht nur Gorillas und Schimpansen gibt, sondern zum Beispiel auch eine äußerst vielfältige Vogelwelt, die Kunden besonders auf einigen Bootsfahrten erleben.

Unsere Gruppenreisen sind eigentlich keine ausgewiesenen Fotoreisen. Dadurch, dass unsere Gruppen sehr klein sind und wir in Uganda immer mit einem unserer Geländewagen mit offenem Dach unterwegs sind, ist jede unserer Gruppenreisen auch prima für Fotografen geeignet. Wer mehr Platz und mehr Zeit für sich und seine Leidenschaft haben möchte, lässt sich von uns eine private Safari planen.

Marco Stahl am Äquator in UgandaWelche drei Tipps hast du für meine Leser, wenn sie im Urlaub gerne fotografieren? Worauf sollten sie achten?

Mein erster Tipp ist für jede Art von Reise ist, dass man sich vorher überlegt, worauf man besonderen Wert legt. Ein Urlaub, bei dem man sich entspannen möchte sieht einfach ganz anders aus, als wenn man das Land, die Menschen und deren Kultur entdecken will. Zu deiner Frage zu einer Fotoreise würde ich also sagen, achte darauf, dass du und deine Kamera genügend Zeit für schöne Motive bekommt. Und dass du überhaupt etwas vor die Linse bekommst.

Vor etwa anderthalb Jahren waren zwei Fotografen vom Merian Reisemagazin mit uns in Namibia, die die Dünen des Sossusvlei von der Luft aus fotografieren wollten. Wir haben ein Flugzeug gechartert, mit dem sie über diese einzigartige Landschaft geflogen sind. Entstanden ist das tolle Titelfoto im Merian Magazin der Ausgabe Februar 2014.

Erst einmal in seinem Reiseland angekommen, ist mein zweiter Tipp, sich viel Zeit zu lassen und einen Ort zu unterschiedlichen Tageszeiten zu besuchen. Die Tempel und Pagoden Bagans (in Myanmar) präsentieren sich zum Beispiel je nach Tageszeit in unterschiedlichen Farben. Daher sollte man mehr als nur einen kurzen Stopp an solch zauberhaften Orten einplanen.

Mein dritter Tipp lautet Respekt. Natürlich drücken gerade Fotos von Menschen besonders viel aus. Aber nicht jeder möchte sich mal eben von einer Gruppe Touristen ablichten lassen. Bei einem Dorfbesuch gehen wir mit unseren Kunden deshalb erst einmal ohne Fotoapparat los, unterhalten uns mit den Bewohnern, um eine Brücke zu schlagen und eine gewisse Vertrautheit entstehen zu lassen. Anschließend sind viele Menschen auch gerne bereit, sich fotografieren zu lassen. Bitte respektieren sie auch, wenn sich jemand nicht ablichten lassen möchte. Wenn man so viel mit Reisen zu tun hat, liegt es nah, dass du auch privat gerne verreist.

Was war denn bisher dein spannendstes Reiseerlebnis? Und wo war das?

Hier nur ein Erlebnis zu nennen, fällt mir schwer. Spannend war mein Besuch im Bürgerkriegsgebiet im Norden Sri Lankas, der damals noch in der Hand der LTTE Rebellen war. Richtig angespannt war ich, als ich 2007 in eine Revolte in Nairobi geriet. Im Zuge der Präsidentschaftswahl gab es in ganz Kenia schwere Ausschreitungen. Zusammen mit meiner kenianischen Kollegin war ich im Auto von einem wütenden Mob mit Holzknüppeln umzingelt. Ein weiteres intensives Erlebnis war mein Autounfall mit meinem libyschen Kollegen Ali in Tripolis, bei dem wir einen zweifachen Überschlag fast unverletzt überstanden haben.

Im positiven Sinne spannend bzw. einfach wunderschön war mein Trekking im Annapurna Gebirge in Nepal mit meiner Frau, die faszinierende Moschee in Djenné in Mali, eine Flugsafari in Botswana, das Zusammentreffen mit einem Voodoo Meister in Togo, der bezaubernde Sternenhimmel während einer Übernachtung im Wadi Rum in Jordanien oder die Aussicht vom Burj Khalifa in Dubai. Das klingt, als könntest du schon mindestens ein ganzes Buch füllen mit deinen Begegnungen und Geschichten.

Mit wem und wie teilst du deine schönsten Urlaubserinnerungen?

Ich teile meine Urlaubserinnerungen zwar immer gerne mit meinen Freunden, zum Beispiel auf Facebook. Aber viele Erlebnisse sind in einem Foto nicht darzustellen. Daher teile ich meine Erinnerungen am liebsten mit den Menschen, die dabei waren. Denn die wissen wie es sich angefühlt hat, nach 10 Stunden aus dem indischen Bus zu steigen und sich dann bei strömendem Monsunregen mit Sack und Pack auf Zimmersuche zu begeben. Das kann ein Foto allein einfach nicht wiedergeben. Da braucht es zumindest noch jemanden, der eine passende Geschichte zu dem Foto hat.

Von deinen aufregenden Erlebnissen komme ich noch einmal auf Uganda. Welches Buch oder welche Webseite kannst du meinen Lesern empfehlen, wenn sie Uganda näher kennenlernen möchten?

Immer nützlich sind die Reiseführer von Reise Know-How. Sehr unterhaltsam ist das Buch „Hey, Muzungu!: Reisenotizen aus Uganda“ von Norbert Weger. Andreas Kieling berichtet in seinem Buch „Meine Expeditionen zu den Letzten ihrer Art: Bei Berggorillas, Schneeleoparden und anderen bedrohten Tieren“ von seinem Besuch bei den Berggorillas. Und natürlich der Klassiker „Gorillas im Nebel“ von Dian Fossey.

Man spricht in Uganda neben Englisch auch Swahili. Wie sagt man „Gute Reise“ in der Landessprache?

Man sagt „Safari njema!“. Unsere Gäste werden in Uganda mit einem freundlichen „Habari“ („Hallo, herzlich Willkommen!“) empfangen. Als Antwort grüßt man mit „Nzuri!“ zurück.

Mit diesen Worten sage ich ganz herzlichen Dank für die kleine Reise nach Uganda und den Berggorillas!

Wenn dich, liebe Leserin, lieber Leser, Uganda als Reiseziel interessiert, kann ich dir den Kontakt zu Marco Stahl sehr ans Herz legen. Auf dieser facebook-Seite erfährst du zum Beispiel, auf welchen Reisemesse du das Team von Habari Travel treffen kannstl.

Vielleicht warst du auch selbst schon in Uganda oder hast Menschenaffen hautnah erleben dürfen. Teile mit uns deine Erlebnisse. Ich freue mich auf deinen Kommentar. Genieße deine Urlaubserinnerungen.

Frühlingshafte Grüße,
deine Susanne

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Beitragsfotos: Marco Stahl

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