Der Mythos vom Profifotografen

Kamera

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Neulich besuchte ich eine gute Freundin bei ihr zu Hause. Sie erzählt mir von ihrer letzten Reise in Südfrankfreich und was sie alles Tolles erlebt hat. Ich sehe Bilder vom Strand, an dem sie ein temporäres Bett aus Handtüchern gebaut haben. Flipflops, ihr Sonnenhut und ihr Freund, wie er gerade den Sonnenschirm aufstellt. Alles dabei. Dann überspringt sie schnell ein paar der Fotos, bei dennen sie versucht hat, die Wellen des Meeres mit der Kamera einzufangen. Und plötzlich ist er da, dieser Satz, bei dem sich mir alle Nackenhaare aufrichten: „Naja, ich kann eben nicht so gut fotografieren.„. Stille im Raum. „Warum nur!?!“, denke ich mir. „Sind perfekte Fotos das Einzige was zählt?“. Diese Situation ist leider kein Einzelfall. Auch wenn ich mit Kunden Fotos für Reise-Fotobücher raussuche, höre ich oft, wie sie schlecht über ihre Bilder reden. So schade!

In meinen Augen verbirgt sich dahinter ein Mythos. Ich nenne ihn den Mythos des Profifotografen. Ob er dich auch schon mal geärgert hat, erfährst du in meinem heutigen Blogbeitrag. Außerdem zeige ich dir, welche neuen Blickwinkel dir dabei helfen, diesen festgefahrenen Glaubenssatz wieder aufzulösen. So kannst du künftig hoffentlich entspannt(er) mit der Kamera deine Welt entdecken und stolz auf das sein, was du fotografiert hast.

Gedanken, die wir alle kennen

Du bist aus dem Urlaub zurück und schaust deine Fotos durch. „Schade, eigentlich wollte ich das anders fotografieren.“ Oder dir ging ganz einfach das hier durch den Kopf: „Wie sieht das denn bitte aus?“ Kommt dir das bekannt vor? Eigentlich wolltest du so ein ganz perfektes Katalogfoto machen. Oder am besten so ein cooles, was du im Internet gesehen hast. Der hartnäckigste Mythos, der dir den ganzen Spaß am Fotografieren raubt, lautet:

Ich kann das nicht, ich bin kein Profifotograf.

Er hämmert sich in unsere Köpfe, wie ein Gebot in eine Steintafel. Hinter dem Vorhang aus negativen Gedanken läuft leider ein ganz hässlicher Film. Dieser Film trägt den Titel: Der Vergleich. In dem wir uns mit anderen vergleichen, lähmen wir uns. Wir verlieren die Freude und Leichtigkeit, die wir brauchen, um die vielen schönen Dinge in der Welt zu entdecken. Dabei ist es genau das, was wir mit unserer Kamera festhalten wollen. Ich frage mich: Warum denken so viele Menschen schlecht über ihre Urlaubsfotos? 

Vielleicht tauchen diese Gedanken bei dir erst in Gesellschaft auf. Ihr schaut deine Urlaubsfotos an und du kommentierst „Das ist leider verwackelt …“ oder auch „Das habe ich nicht besser hinbekommen.“. Dahinter verbirgt sich der Wunsch, die Dinge möglichst perfekt zu machen. Du möchtest vielleicht gerne Fotos mit dem besten Bildaufbau oder einzigartigen Motiven zeigen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass dir das nicht immer gelingt.

Meine Meinung zum „Profifotograf-Mythos“

Menschen vergleichen. Ständig. Hotels, Reiseländer, Schokoladentafeln. Was oder welche die beste ist, hängt von vielen Kriterien ab. Nicht zuletzt vom eigenen Geschmack und persönlichen Vorlieben. Meine Frage an dich lautet daher: Was macht einen Profifotografen für dich überhaupt aus?

Insgeheim wissen wir: Wir können Dinge nur objektiv miteinander vergleichen, denen die gleichen Ausgangsbedingungen zu Grunde liegen. Nur weil ich die gleichen Zutaten verwende wie ein Sternekoch, hängen der Geschmack und das Aussehen meines Menüs von sehr vielen anderen Faktoren ab. Mein Essen wird am Ende garantiert anders schmecken als in einem Gourmet-Restaurant. Beim Fotografieren gilt das gleiche wie beim Kochen. Indem du einen Vergleich ziehst zwischen deinen und Bildern von anderen, misst du dich möglicherweise mit jemandem, der das Fotografieren viele Jahre gelernt hat. Vielleicht investiert dieser Jemand mehr Zeit, mehr Geduld oder schlichtweg eine andere Technik als du. Das klingt für dich vielleicht hart, aber daher kommt der Spruch, dass Birnen und Äpfel nicht miteinander vergleichbar sind.

Verstehe mich nicht falsch: Du hast natürlich jederzeit die Möglichkeit, etwas an deiner Ausgangssituation zu verändern. Du könntest dir eine andere Kameraausrüstung zulegen. Du kannst einen Kurs belegen, um mehr über die Kameratechnik zu erfahren. Du kannst lernen, wie Bildbearbeitung funktioniert. Solange du jedoch nichts in diese Richtung unternimmst, ist ein Vergleich anzustellen in meinen Augen sinnlos. Fotografieren und Fotos anschauen sollen Spaß machen. Es sind deine Erinnerungen.

Wie du den „Profifotograf-Mythos“ auflösen kannst

Ich sage es gerne noch einmal: Du musst kein Profifotograf sein, um deine Urlaubserinnerungen festzuhalten. Jeder sieht die Welt mit seinen Augen und so dürfen auch die Fotos bei jedem anders aussehen. Vergiss nicht, auch Fotografen, die aus deiner Sicht perfekte Fotos machen, haben sich die Erfahrungen oft über viele Jahre erarbeitet. Die gute Nachricht lautet: Du kannst von den Erfahrungen der anderen lernen. Schau dir kreative Ideen bei ihnen ab. Wenn dir ein Motiv oder eine Perspektive von jemandem besonders gefällt, probiere es das nächste Mal selber aus. Vielleicht wirst du auch fündig in meinem Reisefoto-ABC. Hier habe ich für dich 26 Motivideen zusammengestellt.

Löse dich von dem Gedanken, dass du etwas nicht kannst, nur weil du darin noch kein Profi bist (und noch mal: Was ist für dich ein Profi?). Müssen musst du nämlich gar nichts. Wenn du im Urlaub mit deiner Kamera losziehst, halte die Dinge fest, die dich berühren und die dir besonders auffallen. Das Wichtigste ist: Sei mit dem Herz dabei. Mach dir keine Gedanken darüber, was andere zu deinen Fotos sagen. Sei stolz auf das, was du für die Ewigkeit festgehalten hast. Du kannst das!

Eine kleine Übung für dich

Mir ist es wichtig, dass du dich von dem Mythos des Profifotografen endlich befreist. Mit dieser kleinen Übung wird dir das gelingen. Oben im Text habe ich dich gefragt: Was macht für dich ein Profifotograf aus? Die kleine Übung besteht nun darin, dir jetzt drei Kriterien zu überlegen, an denen du einen Profifotografen erkennen würdest. Stelle dir anschließend kritisch die Frage: Willst du diesen, also deinen eigenen Kriterien eines Profifotografen entsprechen? Wenn ja, prima! Dann überlege dir den ersten konkreten Schritt, den du tust, damit du etwas veränderst. So gibst du dir die Möglichkeit, dich zu entwickeln.

Beantwortest du die Frage, ob du ein Profifotograf nach deinen Kriterien werden willst, mit einem Nein, auch prima. Dann kannst du dich nämlich ab sofort entspannen. Du darfst jetzt damit aufhören, dich mit anderen zu vergleichen. Du kannst deine Fotos so annehmen wie sie sind. Du wirst künftig weiterhin Fotos sehen, die dir gefallen. Frage dich dann: Was finde ich daran so toll? Ist es das Motiv? Die Perspektive? Der Bildaufbau? Die Lichtstimmung? Deine gewonnen Erkenntnisse nimmst du ab sofort auf deine Reisen mit. Probiere dich aus und mache deine Erfahrungen. So schaffst du es, den Mythos einfach in Luft auzulösen.


FAZIT

Der „Profifotograf-Mythos“ ist weit verbreitet. Er lässt sich allerdings durch ein paar neue Blickwinkel lockern, wenn nicht sogar ganz auflösen. Hierfür möchte ich dir gerne zum Schluss diese drei Punkte mitgeben:

  1. Anstatt dich mit anderen zu vergleichen, konzentriere dich auf das, was du gut kannst. Lass die anderen ihre eigenen Bilder machen.
  2. Lerne von den Menschen, die schon ein paar Erfahrungen mehr gemacht haben. Wenn du die Möglichkeit hast, frage sie nach dem, was du wissen willst. Ansonsten schaue dir Tricks und Motivideen ab. Abgucken ist erlaubt.
  3. Teile deine Bilder mit anderen und sei dabei stolz auf die Fotos, die du gemacht hast.

Es geht nicht darum, perfekte Fotos zu machen. Freue dich über jedes Motiv, was du für die Ewigkeit festgehalten hast. Genieße diese, wann immer du willst.

Würde ich dich heute fragen, wie sehr du mit deinen Fotos zufrieden bist, was würdest du mir antworten? Wie wichtig ist es für dich, richtig gute Fotos zu machen? Oder kommt es dir eher darauf an, deine Erlebnisse festzuhalten? Ich freue mich auf dein Kommentar, auf Fragen oder Feedback 😉

Entdecke deine Welt.

DeineSusanne_blau

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2 Responses so far.

  1. Hallo liebe Susanne,

    ein toller Blogbeitrag, welchen ich mir gleich als Audio angehört habe 🙂 Mein persönlicher Mythos vom Profifotograf bezog sich bisher weniger auf die Qualität der Bilder, als dass ich selbst „perfekt“ darauf aussehen wollte. Doch auch hier darf ich wohl etwas toleranter sein 😉

    Für meinen nächsten Urlaub, der jetzt kurz vor der Tür steht, behalte ich deine Worte jedenfalls im Hinterkopf und drücke nicht gleich auf die „Löschen“-Taste, wenn ich mir selbst mal nicht 100% auf einem Bild gefalle.

    Auch was schöne Sonnenuntergänge oder das Meer in all seinen Facetten anbelangt, drücke ich jetzt lieber einmal zu viel als zu wenig ab.

    Liebe Grüße,
    Melanie

    • Susanne sagt:

      Hallo, liebe Melanie,

      da bringst du noch einmal eine ganz andere Facette in das Thema dieses Blogbeitrags. Dankeschön! Man schaut doch irgendwie immer zuerst, wie man selbst aussieht, wenn man sich auf einem Foto entdeckt, stimmts? Also, genau genommen schau ich, ob ich auf Fotos gut aussehe Dabei sehen andere das oft gar nicht so kritisch. Warum ist das so? Das ist absolut dein Thema, vielleicht kann ich dich ja mal für einen Blogbeitrag zu diesem Thema gewinnen?

      Für deinen Urlaub und die gemeinsame Zeit mit deiner Kamera wünsche ich dir auf jeden Fall schon mal ganz viel Spaß. Ich bin schon jetzt gespannt, was du von deiner Reise erzählst und was du so entdeckt hast!

      Liebe Grüße,
      deine Susanne

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